Herzerkrankungen
Verständliche Informationen zu angeborenen und erworbenen Herzfehlern bei Kindern und Jugendlichen.
Was ist ein angeborener Herzfehler?
Ein angeborener Herzfehler ist eine Fehlbildung des Herzens oder der großen Blutgefäße, die bereits bei der Geburt vorhanden ist. Sie entsteht während der Entwicklung des Kindes im Mutterleib — nicht durch äußere Einflüsse oder Fehler der Eltern, sondern durch eine Störung in der Organentwicklung.
Angeborene Herzfehler sind die häufigste angeborene Fehlbildung: Etwa 1 % aller Neugeborenen kommt mit einem Herzfehler zur Welt. Das sind in Deutschland etwa 8.000 Neugeborene pro Jahr. Es gibt viele verschiedene Formen — manche sind leicht, andere erfordern sofortige Behandlung.
Die gute Nachricht: Durch medizinische Fortschritte können heute die meisten Kinder mit einem Herzfehler ein nahezu normales Leben führen. Operationen, Katheterinterventionen und Nachsorge haben sich in den letzten Jahrzehnten dramatisch verbessert.
Und erworbene Herzfehler?
Nicht jeder Herzfehler ist von Geburt an da. Manche Kinder und Jugendliche entwickeln im Laufe ihres Lebens eine Herzerkrankung — zum Beispiel durch Entzündungen (etwa Myokarditis nach einem viralen Infekt), durch eine Kawasaki-Erkrankung, durch rheumatische Folgen oder durch Herzmuskelerkrankungen (Kardiomyopathien). Auch nach Krebstherapien oder schweren Operationen kann das Herz dauerhaft betroffen sein.
Wichtig für Sie zu wissen: Unsere Elterninitiative begleitet Familien mit Kindern, die einen angeborenen Herzfehler haben — und genauso Familien, deren Kind einen Herzfehler erst im Laufe des Lebens erworben hat. Die Sorgen, die Krankenhausaufenthalte, die Fragen nach dem "Wie geht es weiter?" sind oft die gleichen. Bei uns sind Sie richtig.
Häufige Herzfehler
Die wichtigsten Formen in Kurzform.
VSD (Ventrikelseptumdefekt)
Ein Loch in der Wand zwischen den beiden Herzkammern. Je nach Größe können sich die Symptome minimal äußern oder eine Operation erfordern.
ASD (Atriumseptumdefekt)
Ein Loch in der Wand zwischen den beiden Vorhöfen. Oft asymptomatisch, aber langfristig kann eine Behandlung notwendig sein.
Fallot-Tetralogie
Eine komplexe Kombination aus vier Herzfehlern. Sie führt zu einer Unterversorgung mit Sauerstoff — es entsteht die charakteristische "Blausucht".
TGA (Transposition der großen Arterien)
Die beiden Hauptschlagadern sind vertauscht. Das ist lebensbedrohlich und erfordert sofortige Intervention noch im Krankenhaus.
AVSD (Atrioventrikulärer Septumdefekt)
Eine große Öffnung zwischen Vorhöfen und Kammern. Häufig mit Down-Syndrom verbunden. Erfordert fast immer eine Operation.
Aortenisthmusstenose
Eine Verengung der Aorta. Kann zu hohem Blutdruck und Belastung des Herzens führen. Oft über Katheter-Verfahren zu behandeln.
Diagnose und Behandlung
Pränataldiagnose
Viele Herzfehler können bereits während der Schwangerschaft per Ultraschall erkannt werden. Das ermöglicht Vorbereitung und Planung der Geburt an einem spezialisierten Zentrum.
Postnatale Diagnose
Manche Herzfehler werden erst nach der Geburt sichtbar — durch klinische Symptome wie schnelles Atmen, Blausucht oder Trinkschwäche. Oder durch eine Routineuntersuchung. Der Kinderarzt ordnet dann ein Echokardiogramm (Ultraschalluntersuchung des Herzens) an, das die Diagnose klärt.
Katheterverfahren
Viele Herzfehler können heute ohne große Operation durch ein Katheterverfahren korrigiert oder verbessert werden. Ein dünner Schlauch wird durch ein Blutgefäß bis zum Herzen vorgeführt — unter Röntgenkontrolle und oft ohne Vollnarkose.
Herzoperationen
Schwere Herzfehler erfordern oft eine chirurgische Operation. Moderne Techniken und spezialisierte Zentren haben die Überlebensraten dramatisch erhöht. Viele Kinder benötigen mehrere Operationen in verschiedenen Lebensaltern.
Nachsorge
Nach einer Behandlung folgt regelmäßige Kontrolle durch die Kinderkardiologie. Diese Nachsorge ist wichtig, um Komplikationen früh zu erkennen und die weitere Entwicklung des Kindes zu unterstützen.
Leben mit einem Herzkind
Schule und Alltag
Die meisten Kinder mit Herzfehlern können regulär zur Schule gehen. Manche brauchen Anpassungen im Unterricht — weniger Belastung im Sportunterricht oder regelmäßige Pausen. Ein ärztliches Attest hilft bei der Kommunikation mit der Schule.
Sport und Bewegung
Sport ist wichtig — aber die Belastung muss an den Herzfehler angepasst werden. Der Kardiologe gibt konkrete Empfehlungen, welche Sportarten und in welchem Umfang sinnvoll sind.
Pubertät und Übergang ins Erwachsenenalter
Die Pubertät stellt zusätzliche Anforderungen an das Herz. Es ist wichtig, dass Jugendliche verstehen, warum Regeln nötig sind — und dass sie aktiv an ihrer medizinischen Betreuung beteiligt sind. Der Übergang in die Erwachsenenmedizin ist ein wichtiger Meilenstein.
Emotionale Belastung
Ein Herzfehler belastet nicht nur körperlich, sondern auch emotional — für das Kind und die ganze Familie. Angst, Trauer, Frustration sind normale Reaktionen. Psychologische Unterstützung ist oft hilfreich.
Wo Sie mehr erfahren
Spezialisierte Organisationen mit ausführlichen Informationen.
BVHK — Bundesverband Herzkranke Kinder
Deutschlands größter Verband für betroffene Familien. Umfangreiche Informationen, Erfahrungsaustausch, nationale Netzwerke.
Kompetenznetz Angeborene Herzfehler
Deutsches Netzwerk von Forschern und Kliniken. Wissenschaftlich fundierte Informationen und Vernetzung von Fachleuten.
Wichtiger Hinweis: Diese Seiten ersetzen keine ärztliche Beratung. Sie sollen allgemeine Informationen geben und zum Verständnis beitragen. Bei akuten Fragen, Symptomen oder Unsicherheiten wenden Sie sich bitte an die Kinderkardiologie Ihres Vertrauens oder an Ihren Kinderarzt.